[schtsch]

An sich sind die Ausspracheregeln im Polnischen ja relativ logisch und nachvollziehbar, nur an der Umsetzung hapert es ab und an. Probleme machen mir selbst dabei immer wieder die Zischlaute, die in der Schriftform durch ś/si, ć/ci, ż/rz, ź/zi, sz und cz dargestellt werden. Das Schwierige: es gibt sehr feine Nuancen zwischen diesen Lauten, die ich kaum raushöre geschweige denn sprechen kann. Meine Herkunft aus Berlin, wo noch nicht mal die beiden deutschen Laute sch und ch deutlich unterschieden werden, macht es nicht gerade leichter. Und wenn es dann noch zu einer Ansammlung von Zischlauten kommt, ist alles vorbei: Neulich habe ich ein Zapiekanka (ein Pizzabaguette) bestellt und wollte Schnittlauch darauf haben. Also kämpfte ich mich durch „z szczpiorkiem“ (den Wortbeginn müsste man in etwa als [schtsch] sprechen), und als ich mich durchgekämpft hatte, fragte die Verkäuferin: „Proszę?“ („Wie bitte?“)

Schwierig ist auch das R, das im Polnischen gerollt wird. Dank meiner eher norddeutschen Herkunft habe ich damit so meine Probleme (Süddeutsche und Österreicher können das erfahrungsgemäß dialektbedingt besser). Im Deutschen ist dieser Buchstabe ja auch oft relativ schwach, zwischen Start und Staat gibt es akustisch kaum einen Unterschied. Im Polnischen ist dieser Laut umso wichtiger, und das ist für mich sehr schwierig, da ich relativ häufig Worte wie Urbanistyka (Stadtplanung, mein Studiengang), Berlin (wo ich geboren wurde) und sernik (Käsekuchen) brauche – und ganz schlecht verstanden werde, wenn ich das R nicht rolle. Bei Urbanistyka behelfe ich mir dann mit der r-freien Erklärung „planowanie miasta“ (wörtlich: Stadtplanung), bei Berlin mit „stolica Niemiec“ (Hauptstadt Deutschlands) und beim Käsekuchen mit meinem Finger, mit dem ich auf den gewünschten Kuchen zeige. Hier ist es auch besonders heikel, da sernik ohne r dem Wort sennik sehr ähnlich klingt – das ist ein Buch, worin man seine Träume notiert. Dementsprechend wurde ich auch schon desöfteren in der Konditorie verwundert angesehen. Seitdem überakzentuiere ich das r immer, was ab und an sogar dazu führt, dass ich besser verstanden werde.

Ich tröste mich dann immer damit, dass deutschlernende Polen ähnliche Probleme haben: ö und ü sind für sie ähnlich schwer zu unterscheiden wie leben und lieben.

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Kategorien: Kurs Polskiego, Landeskunde | Hinterlasse einen Kommentar

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