Feiertage in Polen

Polen ist bekanntlich ein zutiefst katholisches Land. Demzufolge werden viele Feiertage begangen, die uns aus Deutschland auch bekannt sind, allen voran Ostern und Weihnachten. Beide Feste werden in der Familie begangen, was zu einer regelrechten Reisewelle davor und danach führt. Für mich war der Ostersonntag der schlimmste Tag meines Krakau-Aufenthalts: es war alles geschlossen (Museen, Geschäfte inklusive dem 24/7-Tesco, die meisten Restaurants, Kinos etc.), regnete den ganzen Tag, die Innenstadt war tot, und das Toilettenpapier war alle. Eine Tankstelle half dann in der Not, wollte aber umgerechnet 2,50 Euro für vier Rollen haben… Der Ostermontag war dann einer der angenehmsten Tage, als die ersten Lebensmittelgeschäfte wieder öffneten, die Sonne rauskam und die Stadt sich wieder füllte. (Anmerkung zu den Ladenöffnungszeiten: Diese sind in Polen prinzipiell freigegeben, außer an Feiertagen. An diesen dürfen nur der Ladenbesitzer und seine Familie in den Läden arbeiten. Und da es für Familien wie Hennes, Mauritz und Rossmann doch etwas aufwändig ist, in ganz Polen die Läden geöffnet zu halten, haben in der Regel nur kleinere Lebensmittelgeschäfte geöffnet.)

Ein anderes großes Thema von Feiertagen ist die polnische Geschichte. Es gibt daher gleich zwei Nationalfeiertage: den 3. Mai, an dem die Verfassung vom 3. Mai 1791 begangen wird, und den 11. November, der an die Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1918 erinnert.

Anlässlich der Nationalfeiertage wird die Innenstadt festlich beflaggt. Lange Zeit habe ich überlegt, was eigentlich die blau-weiße Flagge bedeutet, bis ich bemerkte: Es sind die Stadtfarben von Krakau. Das erklärt auch, wieso die Busse und Bahnen blau-weiß sind.

Im Mai 2011 gesellten sich zu den blau- und rot-weißen Flaggen noch gelb-weiße: Am 1. Mai wurde nämlich Johannes Paul II. selig gesprochen.

Besonders stark ausgeschmückt wird die ul. Floriańska, die Floriansstraße, die als Teil des früheren Königsweges das Florianstor mit dem Hauptmarkt verbindet. Im November 2011 wurden wurden hier auf Tafeln die Ereignisse um den 11. November 1918 dargestellt.

Nicht nur offizielle Gebäude und Plätze, sondern auch Privatgebäude werden durch ihre Besitzer im Mai und November beflaggt. Und Straßenbahnen sowieso.

Um Allerheiligen, den 1. November, wird in Polen der Toten gedacht. Auch dies führt wieder zu einer landesweiten Reisewelle. Auf polnischen Friedhöfen leuchten dann nach Einbruch der Dunkelheit abertausende Lichter. Das zweite Foto gibt das dank meines eher mäßigen Fotoapparats nicht annähernd wieder.

Wenn die Massen zu den Friedhöfen strömen, wird auch der Stadtverkehr angepasst (anders als in Berlin, da fahren ja zum Berlin-Marathon auch gern mal Kurzzüge im 10-min-Takt). Als ich 2009 in Breslau war, wurden neun Sonderstraßenbahnlinien eingerichtet, die aus der ganzen Stadt zu den großen Friedhöfen fuhren (auf denen übrigens auch auf alten deutschen Gräbern Kerzen standen). Diesmal war ich in Krakau dabei, und die Krakauer Verkehrsbetriebe informierten direkt an der Haltestelle „Cmentarz Podgórski“ (Friedhof Podgórze) mit einem Plakat über die Sonderlinien (und die stattdessen eingestellten regulären Linien). Im Hintergrund schimmert dank Beleuchtung noch ein Wahlplakat durch („Der Mensch ist am wichtigsten!“), obwohl die Wahl zu diesem Zeitpunkt schon über einen Monat zurücklag. Die Sonderaushänge waren durch diese Flamme gekennzeichnet.

Der von Feiertagen her nicht gerade verwöhnte Berliner Leser fragt sich nun: gleich zwei Nationalfeiertage? Am 1. November frei? Arbeiten die Polen eigentlich auch mal? Ja – Karfreitag und Pfingstmontag sind zum Beispiel in Polen normale Werktage.

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Kategorien: Landeskunde | Hinterlasse einen Kommentar

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