„Następny Przystanek: …“ – Mit der 4 durch Krakau (II) · Tramwajem 4 po miejśce (II)

Vor einiger Zeit habe ich ja angefangen, die Stadt Krakau mit Hilfe einer Fotoserie entlang der Straßenbahnlinie 4 darzustellen. In Teil I ging es vom westlichen Stadtteil Bronowice Małe zum Hauptbahnhof, diesmal geht es von dort zum Plac Centralny im Stadtteil Nowa Huta.

„Stadtteil Nowa Huta“? Nicht wenige würden da widersprechen. Nowa Huta („Neue Hütte“) wurde ab 1949 östlich Krakaus als sozialistische Musterstadt errichtet. Es diente als Wohnstadt für die Arbeiter der neu entstehenden Leninhütte und weist somit eine recht ähnliche Geschichte zu der von Eisenhüttenstadt und dem EKO auf. Auch im Alltag gibt es Parallelen: Eisenhüttenstadt wird in Brandenburg vielfach als „Hütte“ bezeichnet, und Nowa Huta als „Huta“ (also ebenfalls Hütte). Und obwohl Nowa Huta bereits 1951 nach Krakau eingemeindet wurde, sind es im Grunde bis heute zwei Städte. Die Einwohner von Nowa Huta fahren „nach Krakau“, wenn sie das Stadtzentrum meinen, und viele Krakauer kämen im Leben nicht auf die Idee, einfach mal so nach Nowa Huta zu fahren.

Selbst im Straßenbahnnetz ist die Teilung erkennbar: die beiden relativ verzweigten Netze in Krakau und Nowa Huta (rechts oben) sind nur durch zwei im Abstand von wenigen hundert Metern parallelen Strecken miteinander verbunden.

Nowa Huta selbst möchte ich im dritten Teil vorstellen. Im zweiten Teil geht es um das „Dazwischen“, das ebenfalls eine Besonderheit der Stadtstruktur Krakaus darstellt: dadurch, dass Krakau aus zwei Städten besteht, befindet sich im geografischen Zentrum der Gesamtstadt das, was man anderswo am Stadtrand findet.

Wir starten als am Hauptbahnhof und sind schon drei Minuten später am…

… Rondo Mogilskie. Dieses wurde im Zuge des Baus der Krakauer Schnellstraßenbahn (hier befindet sich der Tunnelmund des weltweit einzigen polnischen Straßenbahntunnels) in den letzten Jahren umgestaltet. Die Bahngleise befinden sich nun unter dem Straßenniveau, außerdem wurden die Reste einer historischen Verteidigungsanlage freigelegt.

Im Hintergrund das Wahrzeichen des Rondo Mogilskie und eines der bekanntesten Gebäude Krakaus (zumindest bei den Stadtbewohnern). Der Bau des Hochhauses wurde einst unter Edward Gierek begonnen, bis der Bau angesichts der ökonomischen Krise der 80er Jahre gestoppt wurde. Und obwohl es immer wieder Gerüchte über einen Weiterbau gab, ist das Gebäude bis heute unvollendet und dient allenfalls als gigantische Werbefläche. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Bau überhaupt noch beendet werden kann, nachdem er nun drei Jahrzehnte der Witterung ausgesetzt war.

Meine erste Krakauer Wohnung (das Dachgeschoss eines älteren Ehepaares) lag übrigens in der Nähe dieses Rondos. Und weil mein ebenfalls deutscher Mitbewohner und ich uns nie den Namen dieses Rondos merken konnten, nannten wir es einfach „Rondo M“. Inzwischen habe ich auch andere Krakauer Freunde auf diesen Namen geeicht.

Drei Haltestellen weiter, an der Wieczysta, sieht man jenes Gemisch, das man von vielen Stadträndern kennt:

Ein bisschen Industrie…

… ein paar Plattenbauten…

… und einige Einfamilienhäuser.

Nun durchquert die 4 einen ausgedehnten Park. Dieser sollte zu Zeiten des Kalten Krieges als mögliche Verteidigung dienen. Heute befindet sich hier…

… ein Fliegerdenkmal (das auf das benachbarte Polnische Flugzeugmuseum hinweist).

An der Haltestelle AWF [a-wu-eff] befindet sich neben der namensgebenden Akademia Wychowania Fizycznego (Sporthochschule) auch…

… die Fakultät für Mechanik der Politechnika Krakowska (TU Krakau).

An der Stella-Sawickiego [Ztell-la ßawizkjego] wird die gleichnamige Umgehungsstraße überquert und der Blick aufs Heizkraftwerk freigegeben.

Das Foto ist etwas verwackelt, aber es geht um den Eindruck: ein Einkaufszentrum, wie man es sonst am Stadtrand vorfindet.

Die Hauptstraße zwischen Krakau und Nowa Huta (die auch „unsere“ 4 befährt) heißt Aleja Jana Pawła II (Allee Johannes Paul des II.). Johannes Paul II. gilt in Polen als Nationalheld, ihm wird eine große Rolle bei der Entstehung der Solidarność-Bewegung zugeschrieben. Nach seinem Tod wurde in jeder größeren polnischen Stadt eine Straße nach ihm benannt – wobei „Straße“ untertrieben ist, es muss schon eine Allee oder ein Platz sein. Am Plac Centralny laufen heute die nach ihm benannte Allee und die Solidarność-Allee zusammen.

Im ganzen Land sind außerdem Denkmäler für ihn aufgestellt (z.B. auch an der 4 zwischen der Lubicz und dem Busbahnhof), und auch die Straßenbrücke zwischen Görlitz und Zgorzelec ist nach ihm benannt. Während Denkmäler in Deutschland ja eher ein Schattendasein fristen und nicht weiter beachtet werden, befinden sich vor jeder Statue Johannes Paul II. stets frische Blumen. An besagter Neißebrücke zwischen Görlitz und Zgorzelec habe ich abends sogar mal eine ältere Dame beobachtet, die aus Zgorzelec kam, an der Gedenktafel auf polnischer Seite die Blumen zurechtrückte, neue dazulegte und Kerzen entzündete – und dann über die Neiße ging und dasselbe an der deutschsprachigen Gedenktafel wiederholte.

Dass nun ausgerechnet die Straße zwischen Krakau und Nowa Huta Johannes-Paul-II-Allee heißt, ist an Symbolik kaum zu überbieten. Vor seiner Wahl zum Papst war Karol Józef Wojtyła nämlich Kardinal in Krakau und setzte sich – schließlich erfolgreich – für den Bau einer Kirche in der sozialistischen Musterstadt Nowa Huta ein.

Über eben jene Johannes-Paul-II-Allee erreicht unsere Bahn nun auch den Plac Centralny, wo die heutige Fahrt endet. Im Teil III gibt es dann viel mehr Bilder und weitere Informationen zu Nowa Huta.

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Kategorien: Krakau | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „„Następny Przystanek: …“ – Mit der 4 durch Krakau (II) · Tramwajem 4 po miejśce (II)

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