Ihre Papiere, bitte!

Die deutsch-polnische Grenze kann ja seit dem Beitritt Polens zum Schengen-Abkommen 2007 ohne weiteres überquert werden (was nicht heißt, dass es keine Kontrollen gibt: im Berlin-Warszawa-Express werden die Reisenden relativ häufig erst von der Bundespolizei und dann von der Deutschen Bahn begrüßt). Hoffentlich führt das dazu, dass mit der Zeit Grenzübertritte ähnlich selbstverständlich werden wie z.B. im Dreiländereck Deutschland/Schweiz/Frankreich (Basel) – und zwar nicht nur zum Tanken und Zigarettenkaufen…

Wie dem auch sei, 400 km weiter östlich (der deutsch-polnischen Grenze) sieht die Situation schon ganz anders aus. Das Auswärtige Amt warnt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für Polen:

Grenzgebiet zu Russland

Hinweis für Touristen, insbesondere Wanderer, im Grenzgebiet Polen-Russland (Gebiet Kaliningrad): Die ‚grüne Grenze‘ ist an verschiedenen Stellen nur durch weit auseinander liegende Grenzsteine markiert. Wer die Grenze (auch nur für wenige Meter) illegal überschreitet, muss mit der Festnahme durch die russische Grenzpolizei und mehrjähriger Haftstrafe rechnen.

„Kaliningrad“ scheint übrigens als Name in Polen verpönt zu sein. Als ich mal im Zug mit einem älteren Herrn ins Gespräch und irgendwie auf Kaliningrad zu sprechen kam, berichtigte er mich gleich: „Królewiec!“* Als ich dann nachfragte, wieso, meinte er, dass Kalinin ein sowjetischer Politiker war. Bei wikipedia las ich nun, wieso Kalinin in Polen als Unperson gilt: er unterzeichnete die Erlaubnis für den Massenmord von Katyn, bei dem 1940 über 20.000 Mitglieder der polnischen Elite (Intellektuelle, Militärs, Polizisten) von Angehörigen des sowjetischen Innenministeriums ermordet wurden. Das erklärt natürlich die prompte Reaktion des Mitreisenden; angemerkt sei, dass der heutige Name auch in Königsberg selbst nicht unumstritten ist.

Foto: Polnischer Grenzpfahl an der deutschen Grenze in Kostrzyn nad Odrą (Küstrin)

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*król [krul] ist übrigens das polnische Wort für „König“, und der deutsche Name Kaliningrads lautet…: Königsberg!

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Kategorien: Alltag, Landeskunde | Hinterlasse einen Kommentar

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